„Alle
meine Bücher sind [...] kleine Werkzeugkästen. Wenn die
Leute sie öffnen und sich dieses Satzes, jener Idee, einer
bestimmten Analyse als Schraubenzieher oder Maulschlüssel
bedienen möchten, um die Machtsysteme kurzzuschließen,
zu disqualifizieren [...] – gut, um so besser." Michel
Foucault
Interview BLACK 2003.
CO: Jürgen Eckloff, René Lamp, Robert Schalinski & Andrew
loadman.
Eure mit der "Farewell"-7" begonnene und mit der "Sad
Finger"-7" fortgesetzte Romantik Serie macht es ganz
schön spannend und leider läßt die Fortsetzung
mittels der schon ewig angekündigten "Dream Time"-LP
auf sich warten - warum und erklärt bitte bei der Gelegenheit
das Konzept der Serie?
Zwischenzeitlich erschien
ja der dritte Teil dieser Reihe, die „Was
sonst mir verborgen“ 5inch, welche von Like A/An Everflowing
Stream aus Dresden veröffentlicht wurde. „Dream Time“ ist
ein sehr umfangreiches & langjähriges
Projekt… wir arbeiten schon sehr lange daran. Wir hatten
im Laufe der Arbeit an „Dream Time“ viel Material zu
sichten & Informationen zu sammeln. Im Gegensatz zu der Romantik
Reihe, die sich hauptsächlich mit den emotionalen Aspekten
unserer Liebe auseinandersetzt, ist „Dream Time“ ein
komplexes Gebilde in dem es sich viel um Körperkult, moderne
Marketing Konzepte in unserer Demokratie & um Sex dreht. Alles
konzentriert sich darin stark auf die Geschlechterrollen, die wir
uns selbst zuweisen & in denen wir unsere Grenzen finden. Es
ist ein Schlag, der sicher von vielen mißverstanden werden
kann, da er kein schützendes Tuch um Themen wie Frauenbewegung & Kindesmißbrauch
legt. Wir haben bei diesem Projekt versucht unser Verständnis
der Cut-Up Theorien von Gysin & Burroughs in einem anderen
Rahmen anzuwenden.
Im Moment haben wir uns sehr auf die Vorbereitung des „Dream-Time“ Konzepts
für live-Konzerte & Installationen konzentriert. In diesen
Events arbeiten wir sehr viel mit dem Publikum & erhalten so
Informationen, die wir für die Veröffentlichung verwenden
werden. Wir zeigen dort bislang unveröffentlichte Passagen
aus einem Film, den wir Anfang 2003 veröffentlichen werden.
Dieser Film wird den selben Namen wie die LP tragen (Dream Time) …ist
jedoch komplett anderes Material.
Zur Romantik Serie bleibt noch zu erwähnen, dass der 5 Teil
(nach der Dream Time) wieder eine 7“ single sein wird … eine
coverversion eines alten Max Goldt stücks „das Kranke
Kind“
Oft tauchen bei Column
One auch Bezüge
zu Kindern bzw. zur Kindheit auf - welche Aussage soll damit
gemacht werden und darf ich annehmen, das Eure Kindheit sorgenfrei
und unbeschwert verlaufen ist?
In der Kindheit der
meisten werden die ersten Programmierungen des Denkens+Handelns
versucht, die oft geistige Verkrüppelungen
aller Art nach sich ziehen. Die Erziehung von Kindern aufgrund
irgendwelcher scheinheiligen Motivationen (die doch zumeist nur
der arroganten Egozentrik der Eltern, Erzieher usw. entstammen),
legt den Grundstein für das Tun des späteren Nicht-Kindes.
Potentiell lebt ein Kind aus unserer Sicht in einem Zustand traumhafter
(innerer) Grenzenlosigkeit. Sich diesen Zustand (zumindst teilweise)
zu bewahren, wird ihm durch erziehende Institutionen (Eltern, Lehrer
etc.), die sich allesamt im Besitz „der objektiven Wahrheit“ wähnen,
schon früh verwehrt. Das Erkennen eigener Grenzen, daraus
resultierender Werte etc. wird nicht gefördert sondern unterdrückt.
[Dies geschieht allerdings in unseren Augen nicht unbedingt bewußt,
sondern aufgrund ebensolcher anerzogener Verkrüppelungen,
die die Erziehenden in sich tragen. Sie stellen ja einen Teil derer
Denk- und Handlungsstrukturen dar.]
In unseren Arbeiten geht es, wenn Kinder auftauchen (was nicht
immer der Fall ist), um eine Art Meta-Kind. Damit meinen wir, dass
Kinder in den Augen der „erwachsenen“ Menschen ein
ganz spezielles Objekt darstellen… eine Projektionsfläche. „Kind
sein“ ist ein Zustand den jeder in sich trägt & der
doch mit zunehmenden Alter immer unlebbarer wird. Es existiert
eine Art abgenabelte Persönlichkeit im Menschen, die der Grundstein
des Menschen ist & die doch nur über ganz spezielle Werkzeuge & Wege
agieren & kommunizieren kann. „Kind sein“ wird
in unserem Kulturkreis sehr stark über die Unschuld / Nichtunschuld
definiert, was ein sehr moralisierender Vorgang ist. Verliert ein
Kind seine Unschuld (nicht in sexuellem Sinne) fällt es uns
schwer es weiter als Kind wahrzunehemen. Dies ist genau die Schwelle,
die der Heranwachsene durch typisch „reife“ Attribute
zu kaschieren versucht. „Erfahrungsreichtuhm, Professionalität & Moral“ füllen
die Lücke & den Verlußt der kindlichen „Naivität“.
Für uns ist die Verwendung von Fragmenten aus dem Umfeld von
Kindern so interessant, weil sie unter vielen anderen wichtigen
Aspekten genau diesen moralischen Zwiespalt erzeugen, in dem sich
das „Denken“ befindet. Materialien von Kindern drängen „Erwachsene“ zu
bestimmten konditionierten Standpunkten, die viel mit der Konstruktion
der eigenen „erwachsenen“ Persönlichkeit zu tun
haben… & somit entsteht durchaus die Möglichkeit
der De-Konstruktion der erwachsenen Persönlichkeit..
Stimmt es, das Euer
fulminantes Doppel-LP-Set "World Transmission
3 & 4" das STATEART-Label arg in finanzielle Bedrängnis
gebracht hat?
Nein. Was Stateart betrifft so stehen
wir seit längerer Zeit in engem Kontakt was Konzeptionen & Strategien
für die Arbeit an verschiedenen Projekten & Veröffentlichungen
betrifft. So kam es innerhalb dieses Diskurses, den Stateart auf
vielen Ebenen führt, zu einem längeren Veröffentlichungsstop
nachdem es als eine der letzten Veröffentlichungen unsere
Platte herausgebracht hatte. An dem momentan sehr großen
Output von Stateart kannst du erkennen, dass die Zeiten sich geändert
haben. Die Zukunft wird es zeigen.
Um Euer letztes Album "Electric Pleasure" gab es ja
auch reichlich Labelverwirrung - die LP erschien auf MOLOKO+ und
die CD auf NOISE MUSEUM, welche dann auch recht schnell dicht machten
und ein unbekanntes Label namens ALICE IN WONDER im Gespräch
war. Letztendlich erschien es dann auf Eurem eigenen und ebenfalls
neuen Label 99% Wasser, welches Non-Profit arbeiten soll und Kommunenartige
Führungsstrukturen aufweist. Welche Idee und Arbeitsweise
steckt hinter dem Label?
Es sind zunächst
nur 90% Wasser, aber wir arbeiten daran, die 100% Marke schnell
zu erreichen. Column One sind Teil von 90% Wasser. Zudem existiert
90% Wasser länger als viele denken. 1990 gründeten Reinhard
Steg und Daniela Lute einen kleinen Club namens 90% Wasser in Potsdam.
Dieser existiert bis 1993, dann kam es zur Schließung des
Clubs. Reinhard Steg gründete im Jahre 2001 zusammen mit Urk
Giten, Andrew Loadman, Mimetic, M.O.W.E., Marc Wannabe, Rechenzentrum
und eben Column One 90% Wasser neu. Da die Fluktuation der Mitglieder
Column One´s recht hoch ist, kann der Eindruck entstehen,
Column One = 90% Wasser. Dem ist nicht so.
90% Wasser ist in erster Linie eine Plattform, die der Sammlung
und Archivierung von Informationen jeglicher Art dient. (Seit ca.
1995 bestehen bereits enge Kontakte zu verschiedenen deutschen
Archiven.) Diese dienen den verschiedenen Forschungsarbeiten der
Mitglieder von 90% Wasser als Grundlage. Die Veröffentlichung
verschiedener Tonträger ist ein Bestandteil der Resultatsveröffentlichung
unserer Forschungen*. Desweiteren dienen sie sozusagen als Medium
zum Erhalt neuer Informationen. Die Veröffentlichung von Büchern,
Zeitschriften, Filmen etc. wird dieses klassische Label-Bild, welches
90% Wasser im Moment anlastet, sicherlich noch verschieben oder
erweitern.
„Electric Pleasure“ nahm in der Tat einen interessanten
Weg. Die Picture LP auf Moloko Plus war eine von der CD Version
losgekoppelte Veröffentlichung & stark limitiert. Die
CD sollte ursprünglich auf Alice in Wonder erscheinen, dieses
Label ist ein Sublabel von Noise Museum… jedoch Yann Farcy
(der Betreiber) entschied sich, nachdem er die Platte bereits gepresst
hatte, dafür von diesem Tage an keine elektronisch erzeugte
Musik mehr zu veröffentlichen…. & so kam es dazu,
dass diese Platte nun eine 90%Wasser Veröffentlichung ist.
*Zentrale
Forschungsfelder sind „Kommunikation“ (basierend
auf Grundgedanken vor allem der konstruktivistischen Linguistik), „Wirklichkeitsanpassung“ (speziell
im psychatrischen&psychotherapeutischen Kontext) sowie „Macht & Verhalten“ (ausgehend
von Michel Foucault´s „Repressionshypothese“,
welche er in „Der Wille zum Wissen – Sexualität
und Wahrheit“, formuliert.). Die Forschungsbereiche sind
untereinander eng verbunden, da sie sich letztlich nicht wirklich
voneinander trennen lassen.
Auf der empfehlenswerten Labelcompilation
von 99% Wasser steckt Ihr schon sehr lang im Voraus die Veröffentlichungen ab und
kündigt eine Unmenge von interessanten Material an. Wie läuft
das Label an bzw. trägt es sich wirklich und wird der Veröffentlichungsplan
beibehalten?
Der Plan steht. Änderungen sind vorbehalten. Da Ideen und
gedankliche Fixpunkte fluktuieren/variieren, kann es selbstverständlich
zu mehr oder weniger starken Verschiebungen kommen. Dies ist Teil
des Prozeßes des Erkennens und der Entwicklung eines jeden
der Mitwirkenden.
Die Veröffentlichungen existieren in sehr verschiedenen Universen & in
diesen verschieden Universen kaufen die Leute sehr verschieden-viel
Platten. Bislang hat sich jedoch jede Veröffentlichung getragen.
Die Picture-LP und
die CD unterscheiden sich massiv bei den einzelnen Tracks und
besonders in Erinnerung habe ich die vielen Elvis-Samples von
der LP – in
welchen Kontext stehen diese zum Konzept und warum diese Trennung
von LP und CD?
Bei der Arbeit an dem „Electric Pleasure“ Projekt
entstand unglaublich viel Material, da der Prozeß über
1 Jahr ging & wir in dieser Zeit anfingen mit komplett anderem
Equipment zu arbeiten. So entstand die Idee das Material zu teilen & dadurch
2 verschiedene Sichtweisen zu eröffnen. Die Cd wurde mehr & mehr
bildhaft / filmhaft & alle Stücke entstanden ausnahmslos
am Computer wogegen die LP zu großen Teilen analog produziert
wurde & Teile aus der Zusammenarbeit mit dem Zeitkratzer Ensemble & Miasto
Nie Spalo dazukamen. Ein Grosser Teil der LP ist ein Cut-Up aus
Interviews in denen Leute über ihre verschiedenen Arten sich
zu erfreuen sprechen & so rutschte dann auch Elvis
in den Brennpunkt bzw. die Freude der Menschen ließ ihn wieder auferstehen …& sterben!
Woher rührt Euer Interesse an 50'er Jahre
SF-B-Movies und Kraftwerk, welche ja den Haupteinfluß auf
das Konzept von "Electric
Pleasure" ausmachen?
Das direkte Interesse an SF-Movies ist
nicht so groß, da
die meißten Filme (vielleicht Filme wie THX 1138 etc… ausgenommen)
normale Schinken sind & nur in einer anderen Kulisse spielen.
Was daran interessant ist sind die Randbereiche dieser Filme zb.
Ausstattung, manchmal die Musik oder aber die Visionen einer anderen
Gesellschaftsform. Welche Ideen die Menschen zu verschiedenen Zeiten über
die kommende Zukunft hatten verräht viel über die Zeit & Situation
in der ein Film gedreht wurde. In vielen Fällen fällt
das Resultat schon extrem fantasielos aus – Zukunft = mehr & bessere
Gegenwart
Leider sind die interessanten Bereiche oft soweit nach hinten gedrängt,
dass sich im Vordergrund das normale Krankenhaus-Serien Nivau durchsetzt …das
ist dann wieder ein anderes (faszinierendes) Thema.
Im Anschluß an "Electric Pleasure" erschien
gleich das passende Remixalbum "Electric Light" und verwunderte
bzw. begeisterte auf allen Ebenen. Warum habt Ihr nicht den kommerziellen
Weg von tanzbaren Remixen gewählt und statt dessen irrwitzige
bzw. sperrige Interpretationen von den "üblichen Verdächtigen" aus
dem Column One-Umfeld anfertigen lassen? Gab es noch andere Wunschkanidaten
als Remixer und wurden auch Remixe abgelehnt?
Es gab nur
einen weiteren Wunschkandidaten der dann letztlich leider nicht
dabei sein konnte.
Was das Resultat betrifft – so waren wir selbst sehr angetan
von den Bearbeitungen. Den Weg einer tanzbaren Remix-Platte gab
es nicht wirklich – wozu auch. Alle ausgewählten Projekte
waren Freunde deren Arbeit wir in den letzten Jahren verfolgt & geschätzt
haben, & eine Limitierung im Bezug auf die stilistische Richtung
zb. "tanzbar“ hätte vielleicht einen größeren
kommerziellen Erfolg zur Folge gehabt, wäre jedoch wesentlich
langweiliger ausgefallen. Letztlich haben wir uns mit dieser Platte
ja auch selbst einen Wunsch erfüllt & so entstand „Electric
Light“ wie sie ist.
Auf der Transmediale
in Berlin war ich von eurem Video "Braunserver" äußerst
beeindruckt. Es war ein technisch wie inhaltlicher Genuß.
Wie kamt ihr auf die Idee, nur Schnipsel aus Werbefilmen und Videos
zusammenzustellen? Wie erfolgte die Auswahl und mit welcher Intention?
Ideen kommen und gehen meist läßt sich im Nachhinein
nur noch schwer nachvollziehen, was der direkte Auslöser einer
Arbeit war oder ob es einen solchen überhaupt gegeben hat.
Werbung ist ein global-ideologisches Erziehungsprogramm kapitalistischer
Systeme. Sie lotet Bedürfnisse, Wünsche, Wertvorstellungen
einer humanoiden Masse aus, um einem beunruhigenden, widersprüchlichen
und konfliktreichen Leben die Aussicht auf eine (bei Lebzeiten
erreichbare) ultimative Erlösung / Vergebung / maximale Befriedigung
entgegensetzen zu können.
Das phänomenale daran ist, man muß nichts weiter tun,
als die Kleidung einer bestimmten Marke zu tragen, keinen beliebigen
Autotyp zu fahren und eine ganz spezielle Monatsbinde zu verwenden.
Wenn man dann noch mit dem Parfüm und der Lebensversicherung
die richtige Wahl trifft, stehen einem alle Türen dieser Gesellschaft
offen.
Das dem nicht so ist, weiß im Grunde Jeder, nur hat Werbung
in unserem kulturellen Alltag eine so aggressive Präsenz,
dass einem die eigenen Bedürfnisse, so sie nicht mit dem implizierten
Idealbild konform gehen, eher wie verkümmerte Reliquien einer
längst überholten Ära erscheinen. IDEALE werden
durch MATERIALE ersetzt. Wer da nicht mitmacht soll bitterliche
Depression erleiden. Das ist im wesentlichen der inhaltliche Kontext,
dem BRAUNSERVER folgt, der uns auch bei der Auswahl von Bildern
und Szenen maßgeblich
leitete. Die stilistische Form betreffend, haben wir unserer Experimentierfreude
fast freien Lauf gelassen: aus einfachen Effekten eine Sprache
zu entwickeln.
Wird moralische
Kulturkritik noch gehört in unserer verspielten,
hedonistischen Post-Post Gesellschaft?
„Post-Post Gesellschaft“ (oder Hyper-Gesellschaft
o.ä.) impliziert in unserem Kopf immer das Gefühl, wir
hätten die „Gesellschaft“ überwunden. Aber
welche? Was war denn vorher? Der jetzige Punkt an dem sich die „Gesellschaft“ (die
ja nichts weiter ist, als der Versuch die Prozesse menschlichen
Zusammenlebens zu objektivieren und dadurch lenkbar zu machen)
befindet, ist die mehr oder weniger kontinuierliche Fortsetzung
vorangegangener „gesellschaftlicher Zustände“. „Jetzt“ resultiert
aus „Vorher“, „Davor“ usw..
[Annahmen über die vermeidliche Zukunft spielen sicherlich
auch keine unwesentliche Rolle...] Den von uns als „Jetzt“ wahrgenommen
Zustand
unserer äußeren
Umwelt kritisch zu hinterfragen ist sicherlich ein wichtiger Punkt
unseres Tuns. Wir glauben wir können nur fragmentarische Andeutungen
durch Tonträger, Schriften, Live-Auftritten, Interviews etc.
geben, die der Hörer/Betrachter dessen, für sich zusammensetzten
kann. Inwieweit das dann als (Kultur-)Kritik wahrgenommen wird,
hängt sehr zentral davon ab, an welchem inneren Orientierungspunkt
sich der Hörer/Betrachter befindet. Michel Foucault sagte
einmal: „Alle meine Bücher sind
[...] kleine Werkzeugkästen. Wenn die Leute sie öffnen
und sich dieses Satzes, jener Idee, einer bestimmten Analyse als
Schraubenzieher oder Maulschlüssel bedienen möchten,
um die Machtsysteme kurzzuschließen, zu disqualifizieren
[...] – gut, um so besser.“ In meinen Augen beschreiben
diese Worte unsere Möglichkeiten sehr gut.
Der Videoaspekt
nimmt in eurem Output immer mehr Einfluß ein.
Schon bei der Livedarbietung zur "Electric Pleasure" habt
ihr auf 5 Leinwänden Sci-Fi Filme zusammengeschnitten. Welchen
Stellenwert hat Visualität für euch?
Wir sehen unsere gesammte Arbeit sehr visuell & in unseren
Arbeitsprozessen greifen wir viel auf visuelle Ausgangspunkte zurück.
Die meisten unserer Platten entstanden als direkte Synthese aus
Konzept – Bild – Ton. Sicher hängt dies sehr damit
zusammen, dass wir ursprünglich mit Filmen begonnen haben & die
Bilder in unseren Köpfen einfach nicht auslöschen können.
Die Produktion eines Films dauert bislang leider ungleich länger
als Musik oder Grafik & so sind die meisten Projekte noch in
Arbeit …oder Filme entstehen nur für Live-Konzerte & Installationen.
Im Moment arbeiten wir an unserem ersten längeren Film, der
verschiedene Techniken & Themen der letzten Jahre unserer Arbeit
aufgreift.
Bei eurer Lesungs-/Konzertreihe "Der Asiatische
Muskel" macht
immer eine Person Leibesübungen während der Darbietung.
Erst einmal sieht der aber sehr kaukasisch aus und nicht asiatisch,
und zweitens, in wieweit kann man das Motto "Musik körperlich
zu erfahren" auf diesen Vorturner beziehen?
Die jahrhunderte
alte kaukasische Kultur der Körperertüchtigung
wurde sehr stark durch ostasiatische Philosophien geprägt.
Zen-Meister, die aufgrund ihrer zu fortschritlichen Ideen aus ihrer
Heimat vertrieben wurden, zogen zumeist westwärts, welches
natürlich die Beeinflußung der dortigen (Teil-)Kulturen
nach sich zog.
Bei diesem konkreten Vorturner aber handelt es sich zu dem um einen
alten & wichtigen Weggenossen – „Bernd Fischbein“.
Manche werden seine Veröffentlichungen aus der Zeit der engen
Zusammenarbeit mit der LOKI-Foundation kennen. Namentlich wurden
diese zu dem damaligen Zeitpunkt zwar nie erwähnt, ihr musikalischer
Einfluss ist jedoch stark zu spüren. Leider ist diese Periode
nur in 2 sehr limitiert erschienenen Kassetten-Veröffentlichungen
dokumentiert Bernd Fischbein ist einer der Vorreiter, die neben
Projekten wie „Nurse With Wound“ die Brücke zwischen
der sogenannten „Industrial-Music“ & dem aus Polen & Rumänien
kommenden Neo-DaDa der späten 80er Jahre zog.
In Sachen Homepage
sieht es bei Euch seit unserem letzten Interview noch recht mager
aus, aber zumindest habt Ihr inzwischen eine Adresse – wann stehen hier Veränderungen aus und
was dürfen wir von einer Column One-Homepage erwarten?
Man
muß länger hinschauen, um Veränderungen feststellen
zu können. „Die Zeit schreibt die Veränderung.“ (Friedrich
Nietzsche) Die Homepage wird ein Wald mit vielen Fallen, Vögeln
die wunderschöne, niemals zuvor gehörte Lieder singen & Gnomen
die lange ernste Geschichten erzählen. Ein Mysterium … das
leider viel Zeit in Anspruch nimmt.
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