KRIEGSSCHAUPLÄTZE
(Ausstellung, Installation & Festival)
"Zwei, Seelen wohnen in meiner Brust'
oder das Widerwärtige
im Menschen (Quelle: Potsdamer Stadtkurier)
"Kriegsschauplätze" im
Waschhaus - ein Kunstprojekt erhellt das Dunkle der Seele
Die Wirklichkeit in Kunst umzusetzen,
wird als unanständig
empfunden. Wie sehr muß dieser Vorwurf, obszön zu sein,
erst eine Kunst treffen, die ihren Besucher mit den allseits gern
verdrängten dunklen seelischen Grundstimmungen des Menschen
konfrontiert. Das haben die Initiatoren des Projekts "Kriegsschauplätze" gewagt,
das seit dem 7. Januar im Waschhaus läuft. Das zehntägige
Projekt mit 15 Künstlern aus verschiedenen Kunstbereichen
ist ein multimediales Ereignis. Organisiert wird das Programm mit
Ausstellungen, Konzerten, Filmvorführungen und Lesungen von
den beiden Potsdamer Künstlern René Lamp und Robert
Schalinski.
Mit den Gestaltungsmethoden der Collage, Fotografie und visueller
Medien hat "COLUMN ONE", eine Gruppe mit ständig
wechselnder Künstlerbesetzung, sich des Themas "Kriegsschauplätze" in
einer Ausstellung angenommen. Unter Einsatz verschiedener Medien
ist ein Kunstwerk von vielfältiger Aussagekraft entstanden.
Schalinski (Fotografien) und Lamp (Collagen, Skulpturen), meinen
die menschliche Seele als Ausgangspunkt aller "Kriegsschauplätze".
Sie kehren die hintergründige psychologisch-philosophische
Seite der Faszination am Leiden, an Schmerz und Folter, die hinter
den tiefverwurzelten sadistischen Vorstellungen und Bildern in
uns verbirgt, nach außen.
Zu beiden Seiten von einem schwarzen Vorhang begrenzt, erscheint
die Bildergalerie wie eine Bühne, auf der die seelischen Bilder,
das (dunkle) Unterbewußte mit allen (Wahn)vorstellungen und
Perversionen dem Betrachter begegnen. Da mag einem die Verwandtschaft
mit mittelalterlichen Illustrationen in den Sinn kommen. Die war
keineswegs finster, sondern hat im Unterschied zu uns Aufgeklärten
das Abgründige in der Natur, das, was wir in den Bereich des
Unwirklichen verbannt haben als Wirklichkeit anerkannt und ins
Bild gesetzt. "In der Präsentation von Bild im Bild",
wie Lamp sein Werk erklärt, wird es wieder greifbar. Und das
keinesfalls nur, weil der Künstler eingestandenermaßen
unverkennbar den Versuch startet, spätgotische Ausdrucksformen
mit neuen Elementen zu verknüpfen. Längst ist Lustgewinn
durch Selbstgeiselung wieder in. Sadomasochistische Praktiken sind
in all ihren Spielarten längst nicht mehr der sogenannten
Szene vorbehalten. Als Anspielung darauf oder auf sexuelle Gewalt
gegen Frauen können die Fotografien Schalinskis gedeutet werden.
Die Künstler holen nicht zuletzt mit einem, Verschnitt von
Horrorvideos in den Kunstraum, was täglich in den Wohnzimmern
unserer Gesellschaft abgespult wird. Mir fällt eine Passage
aus Stanislaw,Lems"Sterntagebücher" auf: "...
der Prior erklärte mir, daß der PavilIon ein besonderer
Dienstleistungsbetrieb sei, in dem man seinen eigenen Tod erleben
könne. Durch den Reiztransformator verwandelte sich der Schmerz
in unsagbare Wollust... und wem das eine Mal nicht genüge,
der könne sich nach der Wiedererweckung erneut totschlagen
lassen, um die unheimliche Erschütterung ein zweites Mal zu
erleben."
Potsdamer Stadtkurier |