VARIOUS
DREAMDANCES
(Aktion)
"Hurz", hätte Hape Kerkeling
gesagt (Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten)
Wolfsgeheuel, Zahnarztbohrer, tosende
Trommelschläge, Gefiepe
- eine Performance, die keine war. „Variuos Dreamdances" -
Eine Performance zum Thema Traum da denke ich an Klänge mit
einem Anflug von Melancholie, die meine Phantasie beflügeln.
Die einmalig aufgeführte Performance der Berlin-Potsdamer
Formation Column One am Dienstagabend im Waschhaus versprach nun
nicht gerade milde Töne, sondern Industrial-Musik. Interessant
hätte es trotzdem werden können, diese Verbindung aus
Trance-Musik und eigenen „Traum" -Gedichten. Die Szenerie
hatte etwas Gespenstisches. Eine dunkle Bühne,
unruhige Lichteffekte und vier unaufhörlich,
bildlos flimmernde Fernsehgeräte. Nun kommt Mystisches gut
an und man hat ja so seine "dunklen Seiten" in sich,
die nur darauf warten aktiviert zu werden. Auf die Bühne traten
dann auch vier schwarz gekleidete, junge Männer, die sich
vor je einem schwarzen Pfeiler postierten, die Geräuschkulisse
setzte ein.
Brachiale Klänge vom Band ließen eine aggressive Dramatik
entstehen, die während der anderthalbstündigen Veranstaltung
in keinster Weise abgebaut wurde. Statt Performance -eine dem Happening ähnliche
künstlerische Aktion- nur Langeweile: Die vier Gestalten standen
nahezu unbeweglich, mit gesenkten Köpfen auf der Bühne,
ab und zu schaute einer Von ihnen sekundenlang mit durchdringendem
Blick zur Seite oder nach vorn ins Publikum. Dabei von "Various
Dreamdances" zu sprechen, ist wahrlich eine starke Übertreibung.
Live schien bei der Waschhaus Performance fast gar nichts zu sein.
Vom Band kamen heftige Klänge und auch die Gedichte waren
eingesampelt. Die Texte, ohnehin schwer zu verstehen, wurden auch
noch ausnahmslos englisch rezitiert. Den wohl meisten Zuschauern
nahm man damit die Chance, Text und Musik auf sich wirken zu lassen.
Was nutzt es, wenn man die Gedanken zum Traum, über die es
nachzusinnen tatsächlich lohnt, hinterher lesen muß.
Die Industrial-Klänge machten ihrem Namen alle Ehre. Eine
einzigartige Geräuschkulisse dröhnte in die Ohren des
Publikums. Kaum einmal halbwegs melodiöse Töne, sondern
eine fortwährende KrachAttacke, die an Wolfsgeheul, Zahnarztbohrer
tosende Trommelschläge und Gefiepe wie auf einer gestörten
Mittelwellenfrequenz im Radio erinnern.
Bei aller Mühe: Es gelang mir nicht, zu den Tönen, die
sich in mein Gehirn bohrten, Illusionen welcher Art auch immer
entstehen zu lassen. Ich saß nur verkrampft zusammengekauert
auf meinem Stuhl. Die Column One-Akteure konnten sich an den vor
ihnen stehenden Pfeilern festhalten. Wo
aber war der Halt für's Publikum.
Ich hätte gern einen Zugang zur "avantgardistischen" Performance
gefunden oder einen tieferen Sinn in der Column One-"Weltanschauung" der "Vergleichbarkeit
aller Dinge" entdeckt. Doch der hat sich mir während
der Performance nicht erschlossen. Zurück blieb Ratlosigkeit
und die Frage, ob die Potsdamer einer großen "Verarschung" aufgesessen
waren. "Hurz" nannte
Hape Kerkeling einst seine "Oper", welche keine war,
doch die Anwesenden trotzdem zu tiefsinnigen Deutungen veranlasste.
Auch Column One haben die Besucher aufgefordert, ihre Gedanken
zur Performance mitzuteilen. Wenn die Aktionisten in einem Heft
das Waschhaus-Projekt dokumentieren wollen, dürfte es noch
einmal interessant werden, ob sich jemand in der Lage sah, seine
Visionen zu Papier zu bringen. Doch nicht nur, dass sich Verständnislosigkeit
angesichts einer- nicht stattgefundenen Performance breitmachte,
der leidlich pünktliche Waschhaus-Besucher musste auch noch
ewig auf das "Erlebnis" warten.
Mittlerweile gehört es wohl zum "guten Ton", unter
Veranstaltern, den bekannt gegebenen Beginn kurzerhand nach hinten
zu setzen - im Falle von Column One gar eine ganze Stunde. Hier
gilt anscheinend der Grundsätze: Wer zu früh kommt den
bestraft ein "überlanger" Abend.
von Manuela Ludwig, PNN |